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Wie riskant sind Impfungen?

Die meisten Menschen vertragen Impfungen problemlos. Manchmal kommt es jedoch zu Impfnebenwirkungen (Impfreaktionen): Das sind fast immer harmlose Folgeerscheinungen von Impfungen, die rasch vorübergehen. Dazu gehören Reaktionen an der Impfstelle, die innerhalb der ersten drei Tage nach der Impfung anschwillt und auch schmerzhaft sein kann. Eine solche Reaktion wird nicht selten bei der Diphtherie-Tetanus-Auffrischung beobachtet. Aber auch Reaktionen des ganzen Körpers können auftreten. So reagieren manche Geimpfte mit leichtem Fieber, Gliederschmerzen oder Mattigkeit. Das Fieber kann schon 6–8 Stunden nach der Impfung auftreten und bis zu 3 Tage dauern. Solche Impfreaktionen sind in aller Regel harmlos und kein Grund zur Sorge. Im Gegenteil: Sie zeigen, dass das Immunsystem aktiviert wird.

Bei Impfungen mit Lebendimpfstoffen (also solchen Impfstoffen, die noch lebende Viren enthalten) kann auch eine Impfkrankheit auftreten. Hier zeigen sich Krankheitszeichen, wie sie auch bei der natürlichen Krankheit vorkommen, z. B. Ausschlag, Gelenkschmerzen, Lymphknotenschwellungen oder auch allgemeines Krankheitsgefühl. So tritt nach der Masernimpfung bei etwa 5 % der Kinder ein meist begrenzter Ausschlag auf (Impfmasern). Bleibende Schädigungen durch eine Impfkrankheit können bei Menschen mit einer deutlichen Immunschwäche auftreten.

Neben der Furcht vor Impfschäden sind manche Menschen auch aus anderen Gründen gegen Impfungen eingestellt. Ganz im Vordergrund stehen drei Befürchtungen:

  • Impfungen seien ein Eingriff in das Immunsystem, der andere Erkrankungen fördern könnte.
  • Impfungen verhinderten die natürliche Auseinandersetzung des Immunsystems mit Erregern, wodurch es insgesamt geschwächt würde.
  • Kinderkrankheiten seien wichtige Erfahrungen für die sich entwickelnde Persönlichkeit. Durch eine Impfung würde dem seelischen Wachsen und Werden des Kindes ein Stein in den Weg gelegt.

Alle diese Befürchtungen haben einen realen Hintergrund, und wer sich oder sein Kind nicht impfen lassen will, ist deshalb in seiner Sorge durchaus ernst zu nehmen. So bestätigt mittlerweile auch die Forschung, wie wichtig der Kontakt mit Mikroben für das Immunsystem ist – die Sorge um ein zu stark entlastetes Immunsystem ist also nachvollziehbar.

Die Befürchtung, dass Impfungen das Immunsystem insgesamt schwächen könnten, wird auch unter Forschern diskutiert. Fast alle Wissenschaftler kommen dabei zu dem Schluss, dass das Abwehrsystem des Körpers mit so vielen Erregern in Kontakt kommt, dass die Impfungen gegen eine kleine Auswahl besonders gefährlicher Erreger keine Schwächung zur Folge haben. Zumal sich das Immunsystem ja auch bei Impfungen aktiv, wenn auch in abgeschwächter Form, mit dem jeweiligen Erreger befasst. Es wird immer klarer, dass beim Aufbau des Immunsystems nicht nur Krankheitserreger bestimmend sind; auch die Trillionen von harmlosen Bakterien, z. B. im Darmtrakt, sind mindestens genauso wichtig. Zudem zeigen aktuelle Studien, dass geimpfte Kinder nicht häufiger an Infektionskrankheiten leiden als ungeimpfte [414].

Die heutigen Impfungen sind gut verträglich. Die Befürchtung, Impfungen seien an Erkrankungen wie Autismus, plötzlichem Kindstod oder Diabetes schuld, sind vielfach wissenschaftlich untersucht worden; der Verdacht hat sich nicht bestätigt. Wir sind von der Qualität dieser Studien überzeugt [415, 416, 417]. Alle Zulassungsinhaber, Ärzte und Apotheker in Deutschland sind verpflichtet, Impfkomplikationen zu melden. Gemeldete Verdachtsfälle zu Impfkomplikationen werden vom Paul-Ehrlich-Institut aufgearbeitet und veröffentlicht. Für die Daten von 2015 gilt: Der Verdacht, dass Impfungen für Todesfälle verantwortlich waren (18 Verdachtsfälle), konnte in keinem Fall erwiesen werden. Die Analyse ergab ebenfalls keine Hinweise für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen  Impfung und Autismus.

Der Hinweis, Kinderkrankheiten seien für die Entwicklung der Persönlichkeit wichtig, stimmt. Kinder machen durch Krankheiten wichtige seelische Erfahrungen. Wir glauben allerdings, dass auch weniger bedrohliche Erkrankungen solche Entwicklungsschritte ermöglichen und dass Kinder dazu nicht den mit gefährlichen Infektionen verbundenen Gefahren ausgesetzt werden müssen.

Auch der Hinweis, dass der auf natürlichem Wege erworbene Schutz besser ist, ist berechtigt. Dagegen spricht aber, dass wir uns heute auf den natürlichen Schutz der normal durchgemachten Infektionskrankheiten nicht mehr verlassen können. Kinder stecken sich wegen der besseren hygienischen Bedingungen nicht so leicht an und machen die Krankheiten erst in einem höheren Kindesalter durch. In diesem Falle ist der Verlauf oft schwerer; eine Polio z. B. verläuft bei älteren Kindern häufig mit Lähmungen.

Fazit: Individuelle Abweichungen vom Impfplan halten wir für vertretbar; sie scheitern aber oft an der Verfügbarkeit von Einzelimpfstoffen, denn die meisten Impfstoffe sind nur in den empfohlenen Kombinationen erhältlich.

Weiterlesen:

  • Für und Wider der einzelnen Regelimpfungen

  • Was ist ein Impfschaden?

  • Warum Impfungen trotz Kritik wichtig sind

  • Wie wirken Impfungen?

Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014).

HPV-Impfung senkt Krebsrate

Je früher desto erfolgreicher

Eine neue schwedische Untersuchung unterstreicht den Erfolg der HPV-Impfung: Werden Mädchen vor dem 17. Lebensjahr gegen das Humane Papillomavirus geimpft, sinkt ihr Risiko für einen Gebärmutterhalskrebs um fast 90 %.

Genitalwarzen und Krebsvorstufen

Humane Papillomaviren (HPV) sind maßgeblich an der Entwicklung von bösartigen Schleimhautveränderungen an Geschlechtsorganen, am Darmausgang und im Mund-Rachen-Raum beteiligt. Zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs und Genitalwarzen gibt es deshalb seit 2006 eine Impfung gegen die riskantesten der aus über 100 Typen bestehenden Virusgruppe (das sind die krebsauslösenden Typen HPV 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58 und Erreger von Genitalwarzen, HPV 6 und 11).

Bisherigen Studien zufolge schützt die Impfung vor Genitalwarzen und senkt bei Frauen das Risiko für behandlungsbedürftige Krebsvorstufen der genitalen Schleimhaut. Ob die Impfung tatsächlich auch Gebärmutterhalskrebse vermeidet, ließ sich jedoch bisher kaum nachweisen. Das liegt daran, dass es eine ganze Weile dauert, bis sich nach einer HPV-Infektion ein Krebs entwickelt und die Impfung noch nicht lange etabliert ist.

Nun haben jedoch schwedische Forscher*innen erste Zahlen dazu auf den Tisch gelegt. Anhand der Impf- und Diagnosedaten von fast 1,7 Millionen Frauen, die zwischen 2006 und 2017 im Alter von 10 bis 30 Jahren waren, konnten sie einen deutlichen Effekt der HPV-Impfung auf die Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs errechnen.

Risiko um 90 % verringert

Fast 528 000 Frauen aus der Gruppe waren gegen HPV geimpft, 1,2 Millionen nicht. Bis Ende 2017 entwickelten 19 geimpfte und 538 nicht geimpfte Frauen einen Gebärmutterhalskrebs. Besonders selten trat die Erkrankung bei den Frauen auf, die vor dem 17. Lebensjahr geimpft worden waren. Bei ihnen wurde das Risiko für Gebärmutterhalskrebs um fast 90%, bei den älteren um 53% reduziert.

Diese Studie unterstreicht zweierlei: Am wirkungsvollsten ist die Impfung, wenn sie vor Aufnahme sexueller Kontakte erfolgt. Dies ist auch der Grund, warum die STIKO die Impfung für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren empfiehlt.

Auch Geimpfte zur Krebsfrüherkennung!

Das (sehr seltene) Auftreten von Gebärmutterhalskrebs bei geimpften Frauen zeigt aber auch, dass die Impfung gegen die riskantesten HPV-Typen keinen 100%igen Schutz bietet. Geimpfte Frauen sind deshalb gut beraten, weiterhin an der üblichen Krebsfrüherkennung von Gebärmutterhalskrebs teilzunehmen.

Quelle: Ärzteblatt

28.10.2020 | Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: imagebroker/imago-images.de

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