Alte Apotheke

Apotheker: Björn Westphal
Tel. 0 53 41/2 62 17

Unsere Öffnungszeiten

Mo-Fr: 8.00 - 18.30 Uhr
Sa:        8.00 - 13.00 Uhr

Auf diesen Seite finden Sie interessante Artikel rund um das Thema Gesundheit.

IGeL-Vorsorgeuntersuchungen in der Inneren Medizin

Das Angebot an internistischen und allgemeinmedizinischen IGeL-Vorsorgeuntersuchungen ist sehr unübersichtlich geworden. Zudem besteht ein erhebliches Durcheinander bei den Begriffen. So werden viele der folgenden Tests als „erweiterter Check-up“ oder im Rahmen von „Anti-Aging-Paketen“ offeriert.

Die folgende Auswahl nennt die am häufigsten durchgeführten Leistungen:

Laborcheck Arteriosklerose-Risiko. Es ist bekannt, dass Arteriosklerose nicht nur durch Ablagerungen in den Gefäßen zustande kommt, sondern dass auch entzündliche Prozesse eine wichtige Rolle spielen. Entzündungszeichen können im Labor bestimmt werden (z. B. das so genannte C-reaktive Protein, CRP, und seine Unterfraktion hsCRP). Auch können bestimmte Veränderungen des Fett- und Vitaminstoffwechsels sowie Veränderungen der Blutgerinnung das Risiko erhöhen. Zur Bestimmung des Arteriosklerose-Risikos wird die Bestimmung von Lipoprotein [a], Homozystein, CRP und Fibrinogen im Blut angeboten.

Bewertung: Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, dass diese Untersuchungen geeignet sind, das persönliche Risiko abzuschätzen. Denn: Die gemessenen Parameter korrelieren nur sehr vage mit dem Gefäßrisiko – der Test ist also zu ungenau.

Laborcheck Blutfette. Abnorme Blutfettwerte erhöhen das Risiko für Arteriosklerose und damit auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Als IGeL-Paket werden beim Blutfettlabor häufig die Werte Gesamtcholesterin, HDL-Cholesterin, LDL-Cholesterin und Triglyzeride bestimmt.

Eine genaue Analyse des Fettstoffwechsels ist bei bestehender Fettstoffwechselstörung oder einer koronaren Herzerkrankung (KHK) notwendig (und wird dann auch von der Kasse bezahlt). Für Herzgesunde besteht aber das große Problem der fehlenden Treffgenauigkeit (Spezifität) der Tests. Bei herzgesunden Patienten können leicht erhöhte Entzündungsmarker auch Folge einer leichten (vielleicht sogar unbemerkten) Infektion sein und müssen nicht mit einer KHK in Verbindung stehen.

Bewertung: Die Bestimmung des Gesamt-Cholesterins und des HDL-Cholesterins gehört zum Programm des im Abstand von 2 Jahren stattfindenden Check-ups, der von den Krankenkassen ab 35 Jahren übernommen wird. Nach wissenschaftlicher Einschätzung reicht die Bestimmung dieser beiden Werte aus, d. h., die Kenntnis der im Rahmen von IGeL-Vorsorgen zusätzlich bestimmten Triglyzeride und des LDL-Cholesterins bringt keine für die Früherkennung wichtigen zusätzlichen Informationen. Besteht ein begründeter Verdacht, z. B. bei familiärer Vorbelastung, sind diese Werte unter Umständen allerdings hilfreich.

Die Bestimmung der Blutfettwerte bei jüngeren Menschen (unter 35) leistet dann einen zweckmäßigen Beitrag zur Früherkennung, wenn bestimmte Risikofaktoren (z. B. Erkrankung an Diabetes, Bluthochdruck, familiäre Stoffwechselstörungen, Rauchen sowie familiäre Vorbelastungen für Herzinfarkt oder Schlaganfall) vorliegen.

Laborcheck Tumormarker. Die Bestimmung von Tumormarkern ist bei manchen Krebsformen hilfreich, um den Verlauf der Erkrankung oder die Wirksamkeit einer Therapie abzuschätzen, z. B. bei Brust-, Prostata-, Eierstock-, Dickdarm- oder Hodenkrebs sowie bei teilweise bei Lungenkrebs. In manchen Fällen sind durch Tumormarker auch Rezidive (Rückfälle) oder die Bildung von Metastasen erkennbar.

Bewertung: Für die Erstdiagnose einer Krebserkrankung reichen Tumormarker nicht aus, da sie nicht verlässlich nachweisbar sind und zu häufig eine falsche Sicherheit vortäuschen oder nicht gerechtfertigte Tests nach sich ziehen. Daher werden die Kosten zur Bestimmung von Tumormarkern zur Früherkennung von Krebs von den gesetzlichen Krankenkassen auch zu Recht nicht erstattet.

Laborcheck koronare Herzkrankheit. Zur Früherkennung der koronaren Herzkrankheit werden vor allem zwei IGeL-Leistungen angeboten: Das Belastungs-EKG und die Echokardiografie.

Bewertung: Während beide Tests gut geeignet sind, um einen Verdacht auf eine koronare Herzerkrankung abzuklären (dann werden die Kosten auch von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen), sind sie zur Früherkennung bei beschwerdefreien Menschen nicht geeignet. Unter bestimmten Umständen profitieren jedoch auch beschwerdefreie Menschen von den Tests, dann nämlich, wenn ein bisher Ungeübter größere körperliche Belastungen (wie z. B. Hochleistungssport) beginnen will. Hier kann das Belastungs-EKG eventuelle Risiken aufdecken. Und wer von einer erblichen Herzerkrankung (z. B. einer erblichen Herzmuskelerkrankung) betroffen ist, dem kann eine Doppler-Echokardiografie möglicherweise bei der frühen Erkennung helfen.

Laborcheck Herzinsuffizienz. Für den Laborcheck Herzinsuffizienz wird der Marker NT-proBNP bestimmt.

Lungenfunktionsprüfung. Die Lungenfunktionsprüfung wird insbesondere Rauchern angeboten, um etwaige Einschränkungen der Lungenfunktion erkennen zu können.

Bewertung: Einschränkungen der Lungenfunktion lassen sich bei jedem Raucher nachweisen, der mehr als nur eine oder zwei Zigaretten täglich raucht. Sie haben jedoch alleine – außer bei ausgeprägten Befunden – keinen Aussagewert. Zweckmäßig ist die Lungenfunktionsprüfung aber, wenn andere Beschwerden, z. B. ein chronischer Husten, bestehen. Dann aber werden sie auch von der Kasse bezahlt.

Laborcheck:

  • Anti-Aging-Labor bei der Frau, Anti-Aging-Labor beim Mann
  • Antioxidanzien-Status (Vitamine, Spurenelemente)
  • Chronisches Erschöpfungssyndrom
  • Diabetes-Risiko
  • Immunabwehr

Von: Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014).

HPV-Impfung senkt Krebsrate

Je früher desto erfolgreicher

Eine neue schwedische Untersuchung unterstreicht den Erfolg der HPV-Impfung: Werden Mädchen vor dem 17. Lebensjahr gegen das Humane Papillomavirus geimpft, sinkt ihr Risiko für einen Gebärmutterhalskrebs um fast 90 %.

Genitalwarzen und Krebsvorstufen

Humane Papillomaviren (HPV) sind maßgeblich an der Entwicklung von bösartigen Schleimhautveränderungen an Geschlechtsorganen, am Darmausgang und im Mund-Rachen-Raum beteiligt. Zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs und Genitalwarzen gibt es deshalb seit 2006 eine Impfung gegen die riskantesten der aus über 100 Typen bestehenden Virusgruppe (das sind die krebsauslösenden Typen HPV 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58 und Erreger von Genitalwarzen, HPV 6 und 11).

Bisherigen Studien zufolge schützt die Impfung vor Genitalwarzen und senkt bei Frauen das Risiko für behandlungsbedürftige Krebsvorstufen der genitalen Schleimhaut. Ob die Impfung tatsächlich auch Gebärmutterhalskrebse vermeidet, ließ sich jedoch bisher kaum nachweisen. Das liegt daran, dass es eine ganze Weile dauert, bis sich nach einer HPV-Infektion ein Krebs entwickelt und die Impfung noch nicht lange etabliert ist.

Nun haben jedoch schwedische Forscher*innen erste Zahlen dazu auf den Tisch gelegt. Anhand der Impf- und Diagnosedaten von fast 1,7 Millionen Frauen, die zwischen 2006 und 2017 im Alter von 10 bis 30 Jahren waren, konnten sie einen deutlichen Effekt der HPV-Impfung auf die Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs errechnen.

Risiko um 90 % verringert

Fast 528 000 Frauen aus der Gruppe waren gegen HPV geimpft, 1,2 Millionen nicht. Bis Ende 2017 entwickelten 19 geimpfte und 538 nicht geimpfte Frauen einen Gebärmutterhalskrebs. Besonders selten trat die Erkrankung bei den Frauen auf, die vor dem 17. Lebensjahr geimpft worden waren. Bei ihnen wurde das Risiko für Gebärmutterhalskrebs um fast 90%, bei den älteren um 53% reduziert.

Diese Studie unterstreicht zweierlei: Am wirkungsvollsten ist die Impfung, wenn sie vor Aufnahme sexueller Kontakte erfolgt. Dies ist auch der Grund, warum die STIKO die Impfung für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren empfiehlt.

Auch Geimpfte zur Krebsfrüherkennung!

Das (sehr seltene) Auftreten von Gebärmutterhalskrebs bei geimpften Frauen zeigt aber auch, dass die Impfung gegen die riskantesten HPV-Typen keinen 100%igen Schutz bietet. Geimpfte Frauen sind deshalb gut beraten, weiterhin an der üblichen Krebsfrüherkennung von Gebärmutterhalskrebs teilzunehmen.

Quelle: Ärzteblatt

28.10.2020 | Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: imagebroker/imago-images.de

Kontakt   •   Impressum   •   Datenschutzerklärung   •   Disclaimer


Alte Apotheke  •  
Frankfurter Str. 54-56  •  38239 Salzgitter

Facebook